Impfen gegen von Zecken übertragbare Erkrankungen – Ist das sinnvoll? 

Wir alle wissen, eine Impfung ist eine enorme Belastung für den Körper und immer mit allerhand Risiken verbunden. Daher sollte man nicht einfach blind seinen Hund mit allem impfen, was der Markt so hergibt. Vielmehr ist es wichtig abzuwägen, ob er mit dem Erreger jemals in Kontakt kommt, gegen den geimpft werden soll. Beispielsweise macht es bei Hunden, die sich in unseren Breiten aufhalten, in der Regel wenig Sinn, sie gegen die Lebererkrankung Hepatitis contagiosa canis (H.c.c.) zu impfen. Diese Erkrankung ist in Deutschland nahezu ausgerottet. Trotzdem erhalten viele Hunde einen entsprechenden Impfstoff, weil er in Kombinationsimpfstoffen (z.B. gegen Staupe) enthalten ist. Schauen wir uns an dieser Stelle einmal die Impfstoffe an, die gegen die häufigsten von Zecken übertragbaren Krankheiten (Borreliose und FSME) gerichtet sind. 

Impfstoffarten kurz erklärt

Generell gibt es zwei Impfstoffarten: Tot- und Lebendimpfstoffe. Totimpfstoffe (z.B. Tetanus) enthalten inaktive Antigene, wie abgetötete Krankheitserreger oder Teile von Erregern. Das Immunsystem erkennt sie als Fremdkörper an und bildet entsprechende Antikörper gegen sie. So ist die Abwehr gewappnet, wenn es zu einer Infektion kommt. Bei mRNA-Impfstoffen (z.B. Coronaimpfstoffe) bildet der Empfängerorganismus selbst Teile des Erregers, wie z.B. Oberflächenproteine. Auch diese werden vom Immunsystem als Fremdstoff erkannt und mit Antikörperbildung beantwortet. 

Lebendimpfstoffe enthalten aktive Erreger. Sie wurden zuvor so abgeschwächt, dass sie keine oder nur eine sehr leichte Erkrankung auslösen können [1]. 

Wann ist Impfen im Allgemeinen sinnvoll?

Bei einer Impfung solltest du die individuellen Lebensbedingungen deines Hundes bedenken. Gegen den Zeckenbefall selbst gibt es bisher leider keine Impfung. Jedoch lassen sich manche dadurch verursachten Infektionen gut durch eine Impfung vermeiden bzw. einen schweren Verlauf der Krankheit verhindern. Auf jeden Fall solltest du eine Impfung deines Lieblings erwägen, wenn: 

  • dein Hund schon älter ist
  • deine Fellnase sowieso schon ein geschwächtes Immunsystem hat und so bei einer Infektion schwerwiegend erkranken kann
  • dein Hund bereits an anderen Erkrankungen leidet
  • ihr in einem endemischen Gebiet wohnt, wo die Wahrscheinlichkeit einer Infektion größer ist
  • die Krankheit schleichend und mit unspezifischen Symptomen verläuft und daher oft erst spät erkannt wird
  • du mit deinem Hund eine Auslandsreise planst, wo infizierte Zecken vermehrt vorkommen
  • ihr in ländlichen Gebieten wohnt und viel in der Natur unterwegs seid [2]

Einen Stadthund gegen von Zecken übertragbare Krankheiten zu impfen ist sicher weniger wichtig als einen Hund, der regelmäßig im Grünen ist. Ein älterer Hund mit begrenzter Widerstandsfähigkeit braucht mehr Schutz vor schweren Krankheiten als ein junger, agiler Hund mit einem starken Immunsystem. Am besten besprichst du mit deinem Tierarzt, ob eine Impfung unter euren individuellen Bedingungen und bei deiner speziellen Fellnase sinnvoll wäre. Bedenke dabei auch, dass viele Bakterieninfektionen zwar mit Antibiotika behandelt werden können, inzwischen unter den Bakterienstämmen aber auch immer mehr Antibiotikaresistenzen auftreten [3]. Zudem ist eine Antibiotikabehandlung (zumindest bei einer Borrelieninfektion) langwierig und manchmal auch nicht erfolgreich. So kann es auch nach Jahren noch zu Spätschäden und Rückfällen kommen [5].

Impfung gegen Borreliose

Für uns Menschen gibt es sie (noch) nicht, zum Glück aber für den Hund: Eine Impfung gegen die am meisten von Zecken übertragene Krankheit Borreliose. Im Durchschnitt ist jede dritte Zecke in Deutschland mit den Erregern (Borrelien) infiziert, das Risiko für eine Erkrankung ist also hoch. Diese bakterielle Infektion kann bleibende Schäden an Gelenken, Nerven und Organen, wie Nieren und Herz, verursachen und im schlimmsten Fall zum Tode des Hundes führen. 

Die Ständige Impfkommission (StIKo Vet.) empfiehlt daher die seit 15 Jahren bewährte Borreliose-Impfung für alle Hunde, die sich in endemischen Gebieten aufhalten oder eine Reise dorthin planen. Neben der am meisten vorkommenden Bakterienart Borrelia burgdorferi sind auch Borrelia garinii und Borrelia afzelii für den Hund gefährlich. Die Borreliose-Impfung schützt zuverlässig vor diesen drei Arten und damit vor etwa 90 % aller Borrelien in Deutschland. So ist die Wahrscheinlichkeit, an der gefährlichen Infektionskrankheit Borreliose zu erkranken, für geimpfte Hunde sehr niedrig. Ist deine Fellnase dagegen nicht geimpft, fehlt ihr schützende Antikörper gegen den Erreger. Sie kann sich also immer wieder neu infizieren und erkranken. 

Wenn du deinen Liebling impfen lassen möchtest, kannst du das schon ab der zwölften Lebenswoche tun. Für einen zuverlässigen Schutz muss die Impfung jährlich aufgefrischt werden [4]. 

So funktioniert die Borreliose-Impfung

Die Borreliose-Impfung wirkt gleich zweifach. Zum einen bildet das Immunsystem deines Hundes spezielle Antikörper gegen die inaktivierten Erreger im Impfstoff (wie oben beschrieben). Diese Antikörper gelangen darüber hinaus beim Saugen einer Zecke in den Zeckendarm. Dort verursachen sie eine Bewegungslähmung der Bakterien in der Zecke. So sind die Borrelien unfähig, in den Hundekörper zu gelangen [5]. Siehe hierzu auch: https://youtu.be/LasKl1px1dM

Nebenwirkungen und Risiken der Borreliose-Impfung

Die Borreliose-Impfung wird im Allgemeinen gut von Hunden vertragen, eine Impferkrankung ist ausgeschlossen und Nebenwirkungen treten seltener auf als bei den gängigen Pflichtimpfungen. Treten dennoch Nebenwirkungen auf, dann sind es in der Regel: 

  • Schwellungen und Juckreiz an der Einstichstelle
  • geringgradig Fieber
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • für kurze Zeit Appetitlosigkeit
  • leichte Mattigkeit [5; 6].

Gibt es auch Argumente gegen eine Borreliose-Impfung?

Tatsächlich gibt es bei allen Fragen rund um Impfungen immer ein Für und Wider, so auch bei der Borreliose-Impfung. Manche Gegenargumente können sich im Lauf der Zeit ändern, z.B. wenn es um die Verbreitung der Zecken geht. Ein bisher wenig betroffenes Gebiet kann sich beispielsweise durch einen hohen Reiseverkehr und die Klimaerwärmung mit der Zeit zu einem endemischen Gebiet entwickeln, wo infektiöse Zecken weit verbreitet sind.

Dessen ungeachtet gibt es aber auch Argumente gegen die Borreliose-Impfung, die zeitlos bestehen bleiben können. So:

  • erkranken tatsächlich nur fünf bis zehn Prozent aller infizierten Hunde, das heißt, eine Infektion mit Borrelien bedeutet nicht automatisch, dass dein Hund auch wirklich krank wird – etwa 90 % aller Hunde erkranken nicht. 
  • können Hunde eine genetisch bedingte Resistenz gegen Borrelien bzw. die Borreliose haben, so dass sie auch nach wiederholtem Kontakt mit den Bakterien keinerlei Krankheitssymptome entwickeln 
  • können nach Berichten von Hundehaltern gesunde Hunde nach der Borreliose-Impfung schwer an einer Autoimmunreaktion erkranken
  • übertragen Zecken nicht nur die Krankheit Borreliose, sondern auch Anaplasmose, Babesiose oder Leishmaniose. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Borreliose-Impfung nur eine minimalen Schutz gegen von Zecken übertragbare Krankheiten bietet. Besser/Effizienter als eine Impfung wären demnach Prophylaxemaßnahmen, wie tägliches Absuchen des Hundes nach Zecken, Spot-on-Präparate, Zeckenhalsbändern o.ä. 
  • verhindert das gründliche Absuchen des Hundes das Risiko auf eine Borreliose deutlich, weil die Borrelien erst nach 12 bis 20 Stunden auf den Hund übertragen werden. 
  • können Symptome der Infektion (anders als beim Menschen) relativ schnell erkannt und daher infizierte Hunde frühzeitig gut mit Antibiotika behandelt werden
  • kann eine Impfung bei Hunden, die bereits mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind, gefährliche Nierenentzündungen verursachen. Daher sollte zum einen vor der Impfung ein Bluttest beweisen, dass dein Hund keine Borreliose-Antikörper im Blut hat. Dieser Test ist aber sehr unzuverlässig. Zum anderen sollte der Hund niemals während der Zeckensaison, sondern besser zwischen Januar und März geimpft werden [7].

Zu den Nebenwirkungen entgegnen die Hersteller der Impfstoffe: Vor der Zulassung eines Impfstoffes werden zahlreiche Studien durchgeführt, die die Verträglichkeit des Mittels und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigen. 

Fazit zur Frage Borreliose-Impfung ja oder nein

Eine klare/eindeutige Antwort zu der Frage wirst du von keiner Seite bekommen, da jeder Hund unterschiedliche Lebensbedingungen (wie Alter, Gesundheitszustand, Umgebung etc.) aufweist und die Entscheidung individuell gefällt werden muss. Du musst für deine Fellnase die Für- und Wider-Argumente abwägen und am besten mit deinem Tierarzt besprechen.

Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) 

Auch die Hirnhautentzündung ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die im schlimmsten Fall zum Tode deines Hundes führen kann. Entdeckst du Symptome, wie Fieber, verminderte Reflexe und Schmerzempfindlichkeit bei deiner Fellnase, solltest du mit ihr sofort zum Tierarzt gehen. Anders als beim Menschen gibt es gegen diese von Zecken übertragbare Krankheit keine Impfung für den Hund. Hier sind vorbeugende Maßnahmen, wie gründliches Absuchen, Spot-ons und/oder Halsbänder, umso wichtiger. 

Impfungen gegen Babesiose, Anaplasmose, Ehrlichiose

Bei anderen bedeutsamen Infektionskrankheiten, die durch Zecke übertragen werden, gelten im Prinzip dieselben Faktoren wie bei der Borreliose. Während es allerdings für die Babesiose einen Impfstoff für Hunde gibt, fehlen gegenwärtig entsprechende für Anaplasmose und Ehrlichiose. Daher stehen auch bei diesen Krankheiten die Zeckenprophylaxe durch Anti-Zeckenmittel und aufmerksamen Umgang mit dem Hund im Vordergrund. 

Quellen: 

[1] Welche unterschiedlichen Impfstoffe gibt es?, in Impfen info, abgerufen am 03.02.2023 von https://www.impfen-info.de/wissenswertes/impfstoffe/

[2] Impfungen für Hund und Katze, in Findefix, abgerufen am 03.02.2023 von https://www.findefix.com/haustier-tipps/impfungen-fuer-hund-und-katze/?gclid=CjwKCAiA_vKeBhAdEiwAFb_nrSoPSlGZsmlvlCEKCssMwCbXPTSCvkoTi4oEVfxKKbPOIlQYjiP2wBoCt3IQAvD_BwE

[3] Kann man gegen Zecken impfen?, in ESCCAP, abgerufen am 03.02.2023 von https://www.esccap.de/kann-man-gegen-zecken-impfen/#:~:text=Es%20gibt%20derzeit%20noch%20keine,Hunde%20%C3%BCbertragbare%20Erkrankung%2C%20die%20Borreliose.

[4] Wie kann ich meinen Hund vor Zecken schützen?, in Zecken.de, abgerufen am 03.02.2023 von https://www.zecken.de/de/krankheiten-bei-tieren/wie-kann-ich-mein-haustier-schuetzen#:~:text=Bereits%20ab%20einem%20Alter%20von,erste%20Auffrischimpfung%20(Herbstimpfung)%20erfolgen

[5] Wie die Borreliose-Impfung Hunde schützt, in Parasiten-Portal, abgerufen am 03.02.2023 von https://parasitenportal.de/borreliose-impfung/

[6] Eurican Merilym, in DIMDI, abgerufen am 05.02.2023 von https://portal.dimdi.de/amispb/doc/pei/Web/2603451-palde-20081201.pdf

[7] Borrelioseimpfung für Hunde: Alles fauler Zauber?

3. September 2013, 03.09.2013 in Wild und Hund, abgerufen am 05.02.2023 von https://wildundhund.de/alles-fauler-zauber-7807/#:~:text=Auf%20dem%20deutschen%20Markt%20existieren,von%20Ecu%20Phar%20vertrieben%20wird.

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